/ Eleven / von Ute Volz

Wie Mentoring soziale Ungleichheit aufhebt – Der wissenschaftliche Beweis

Einige Medien berichteten bereits über die u.a. von der Benckiser Stiftung Zukunft geförderte Langzeitstudie von Prof. Armin Falk (Universität Bonn) zur Bedeutung des sozialen Umfelds für die Entwicklung von Prosozialität – und über die bemerkenswerten Ergebnisse der Studie. Sie beweist, wie enorm wirksam Mentoring für Kinder ist. Nun ist das erste Paper zur Studie online und zur Diskussion freigegeben.

Seit September 2011 hat eine Forschergruppe unter Leitung von Prof. Armin Falk, Universität Bonn, untersucht, in wie weit sich soziale Benachteiligung auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern auswirkt. Falk und seine Kollegen wollten außerdem wissen, in wie weit eine Intervention in Form eines einjährigen Mentoring-Programms diese Persönlichkeitsentwicklung verändert. Über 600 Kinder aus unterschiedlichen sozio-ökonomischen Verhältnissen nahmen an dem mehrteiligen Forschungsprojekt teil.

Die Ergebnisse sind überaus bemerkenswert. Denn sie zeigen nicht nur erstmals den kausalen Zusammenhang zwischen sozialem Umfeld und kindlicher Persönlichkeitsentwicklung. Sie beweisen auch, welche erheblichen positiven Effekte eine zufällig erzeugte Variation in der sozialen Umgebung hat. Diese Variation war – für eine zufällig ausgewählte Gruppe von Kindern mit niedrigem sozio-ökonomischen Status – die Teilnahme an dem Mentoring-Programm Balu und Du: Ein Jahr lang verbrachten die Kinder im Programm einige Stunden pro Woche mit einem ehrenamtlichen Mentor.

Einer der Untersuchungsschwerpunkte lag auf den Unterschieden in der Prosozialität der Kinder und auf den Auswirkungen des Mentorings auf das prosoziale Verhalten. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne Mentoring wurde bei den Kindern im Mentoring-Programm ein signifikanter Zuwachs an Prosozialität festgestellt. Dieser Zuwachs ist so groß, dass kein Unterschied zu den Kindern aus hohen sozio-ökonomischen Verhältnissen mehr zu erkennen war. Einige (negativen) Folgen der sozialen Ungleichheit wurden also durch das Mentoring vollständig nivelliert.

Diese Befunde sind umso erstaunlicher, als das Setting der ehrenamtlichen 1:1-Begleitung so bestechend einfach ist und die Kosten gering. Prof. Armin Falk selbst leitet daraus politische Verantwortung ab: Investitionen in die Verbesserung der sozialen Umgebung von Kindern mit niedrigem sozio-ökonomischen Status lohnen sich. Und das bereits bei punktuellen Interventionen wie der einfachen Teilnahme an einem Mentoring-Programm.

Seit Dienstag, den 5. April 2016 ist das erste (englischsprachige) Paper zu dieser Langzeitstudie online. Es wurde im Rahmen der Discussion Paper Series des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) veröffentlicht und trägt den Titel „The Formation of Prosociality: Causal Evidence on the Role of Social Environment“ (Autoren: Fabian Kosse, Thomas Deckers, Hannah Schildberg-Hörisch, Armin Falk)

Veröffentlichungen und Beiträge zur Studie in den Medien:

30. Dezember 2016, Deutschlandradio Kultur
Auf Deutschlandradio Kultur berichtete Prof. Armin Falk am 30.12.2016 in einem Interview von seiner Forschung zur Verringerung von Ungleichheit durch einfache soziale Interventionen wie zum Beispiel Mentoring. Das Gespräch endet mit der naheliegenden Frage, warum Mentorenprogramme nicht längst flächendeckend eingesetzt würden, wenn ihre Wirksamkeit nun so deutlich nachgewiesen sei. Armin Falk reicht die Frage als Empfehlung an die Politik weiter.

8. August 2016, BOLD – Blog on Learning and Development (Jacobs Foundation)
Der Wirtschaftswissenschaftler Fabian Kosse, einer der Autoren dieser Interventionsstudie, hat BOLD, dem neuen „Blog on Learning and Development“ der Jacobs Foundation, ein Interview gegeben. Hier können Sie den Blog-Artikel „Exposure to a prosocial role model shows strong effects“ nachlesen.

4. April 2016, Süddeutsche Zeitung
Unter dem Titel „Die Persönlichkeit spielt bei der Entstehung von Ungleichheit eine wichtige Rolle“ berichtete die Süddeutsche Zeitung am 4.4.2016 über die Studie von Prof. Armin Falk und Kollegen. Der Artikel schließt mit dem Fazit des Wirtschaftswissenschaftlers: „Wenn der Staat Geld in die günstigen Mentorenprogramme steckt, kann er die Kluft zwischen Arm und Reich auf neue Art bekämpfen.“

3. März 2016, DIE ZEIT
Die Ergebnisse der Studie zu den Auswirkungen sozialer Benachteiligung auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern werden auch ausführlich im ZEIT-Interview mit Armin Falk thematisiert. Betitelt mit dem Falk-Zitat „Ich will nur, dass Kinder, die gleich gut sind, gleiche Chancen haben“ erschien es am 3.3.2016 in der Printausgabe der ZEIT auf Seite 22f. Sie finden es hier.

18. Februar 2016, Deutschlandfunk
Deutschlandfunk sendete am 18.2.2016 den Radiobeitrag „Wie Kinder sozialer werden“ von Martin Hubert. Im Archiv ist dieser bis 26.8.2016 nachzuhören.
Wir erlauben uns hierzu eine Korrektur: Im Bericht sagt der Autor Martin Hubert, Kinder aus höheren Statusgruppen würden durch Mentoring „nicht noch einmal sozialer“. Dies wurde in der Studie der Universität Bonn jedoch gar nicht untersucht. Am Mentoring-Programm nahmen ausschließlich Kinder mit niedrigem sozio-ökonomischen Status teil. Die Kinder mit einem hohen sozio-ökonomischen Status dienten nur als Vergleichsgruppe.

Weitere Berichterstattung:

  • Interview mit Fabian Kosse, Badische Zeitung, 2. Mai 2016