/ Clarat / von Anne Schulze

Was wir durch clarat gelernt haben

Im Herbst 2014 begannen wir mit unserem Projekt clarat. Ende 2017 haben wir clarat an zwei Partner übergeben. Zum einen haben clarat refugees und auch clarat family strategisch nicht mehr zu uns gepasst. Zum anderen standen die Kosten auch nach mehr als drei Jahren nicht in einem aus unserer Sicht angemessenen Verhältnis zur erzielten Wirkung. In vielerlei Hinsicht war die Zeit lehrreich. Unsere Lernkurve war enorm steil, weil vieles ganz neu war. Bei allen positiven Entwicklungen und Erfolgen gab es jedoch eine Reihe von Dingen, die wir beim nächsten Mal anders machen würden.

Hier sind unsere Lessons Learned. Zusammengefasst heißen sie „Sei fokussiert. Und bleibe es. Auf allen Ebenen.“ Damit unsere Erfahrungen auch für andere Führungskräfte aus sozialen Organisationen von Nutzen sind, teilen wir hier die ausführlichere Version. Und unsere Entscheidung, clarat an Partner zu übergeben, erläutern wir in diesen Z Blog Artikeln über clarat family und clarat refugees.

1. Strategie und Ziele

  • Übertrage Deine Idee frühzeitig in eine Theory of Change und leite daraus klare strategische Ziele ab.
  • Definiere daraus abgeleitet konkrete und ambitionierte quartärliche operative Ziele, die kontinuierlich überwacht und bei Bedarf angepasst werden.
  • Fokussiere Dich auf eine möglichst enge Zielgruppe und gebe nicht der Versuchung nach, alle denkbaren Anwendungsmöglichkeiten und eventuell sinnvollen Bedürfnisse verschiedenster Zielgruppen zu erfüllen.

2. Wachstum

  • Wachse in Bezug auf Personal mit Bedacht und in Verknüpfung mit klaren Zielen.
  • Je größer Deine Organisation wird, um so größer auch das Risiko, dass Du Mitarbeiter einstellst, die stärker von Deinem Wertesystem abweichen. Sollte es Vorbehalte hinsichtlich der geteilten Grundwerte geben, gilt: Im Zweifel „nein“.
  • Sei Dir bewusst, dass jeder Wachstumsschub die Dynamik Deiner Organisation (erheblich) verändern kann, und möglicherweise nicht alle Mitarbeiter Veränderungen in gleichem Maße begrüßen, da jeder anders mit Veränderungen umgeht.

3. Personal- und Organisationsentwicklung

  • Achte auch bei der Personalauswahl stets darauf, wen und was Du brauchst. Lass Dich nicht von interessanten Lebensläufen verleiten, wenn die Jobanforderungen eigentlich andere Profile erfordern. Stelle von vornherein dort Experten ein, wo es sinnvoll ist. So können Über- und Unterqualifizierung vermieden werden. Nutze zudem die Probezeit konsequent.
  • Ab einer gewissen Größe (> 15 Mitarbeiter) erfordert eine Organisation neue Strukturen und Rollenbeschreibungen. Entscheide darüber bewusst und kommuniziere dann klar in die Organisation.
  • Beschäftige Dich nicht zu sehr mit Dir bzw. Deinem Team statt mit Eurem Produkt. Wenn grundsätzliche Konflikte das Team belasten, setze klare Grenzen. Können die Konflikte dennoch nicht gelöst werden, trenne Dich von denjenigen, die diese Konflikte auslösen. Akzeptiere, dass nicht jeder Dich gut findet.

4. Produktentwicklung – Prozess und Methodik

  • Betrachte Dein Produkt als Produkt und nicht als Projekt und fokussiere Dich zunächst darauf, eine erfolgreiche Anwendungsmöglichkeit für Dein Produkt zu finden.
  • Nutze Methoden der agilen Produktentwicklung (build-measure-learn). Sprich dazu frühzeitig und immer wieder mit Deinen Nutzern (User Research) und verliere Dich nicht in Deinen persönlichen Hypothesen zum Nutzerverhalten oder der Begeisterung anderer, die jedoch nicht Deine Zielgruppe sind.
  • Digitale Produktentwicklung ist nie fertig. Es geht immer darum, Dein Produkt kontinuierlich entsprechend der Nutzerreaktionen und entsprechender Analysen weiterzuentwickeln.

5. Produktentwicklung – Inhaltliche Erkenntnisse

  • Heutzutage nutzen alle Menschen das Internet. Es geht daher darum zu verstehen, wie sie es nutzen.
  • In unserem Fall: Sowohl Geflüchtete (clarat refugees) als auch Familien (clarat family) müssen zunächst über die Hilfslandschaft in Deutschland aufgeklärt werden, bevor konkrete Anlaufstellen für sie hilfreich sind und sie nach diesen suchen.
  • Informationen im Netz müssen vertrauenswürdig und passgenau aufbereitet werden. In sozial benachteiligte Zielgruppen braucht es das „aufsuchende Internet“.

6. Marketing

  • Beginne frühzeitig mit zielgruppenspezifischen Marketingmaßnahmen und überprüfe sie von Anfang an. Probiere aus.
  • Mache regelmäßig eine Bestandsaufnahme der unterschiedlichen Maßnahmen im Sinne einer Return of Investment (ROI) Analyse und priorisiere neu.
  • Setze Dich frühzeitig mit Suchmaschinenoptimierung (SEO) auseinander – einem sehr komplexen Thema mit viel Potenzial.