/ Par / von Stefan Shaw & Sebastian Schienle

Der „Lorenzo-Effekt“: Warum wir an Trainings für Kleinbauern glauben

Vor gut zwei Jahren reisten wir nach Guatemala, um uns, begleitet durch David Browning, damals bei TechnoServe, einen eigenen Eindruck von der Wirksamkeit von Schulungen für Kaffee-Kleinbauern zu verschaffen. Warum?

Weil für viele der Bauern Kaffee die einzige „Cash Crop“ ist, die ihre Produktion mit einem wachsenden weltweiten Absatzmarkt verbindet – und damit ihre einzige Erlösquelle überhaupt. Und weil die Ernteerträge der Kleinbauern aber häufig deutlich unter ihren Möglichkeiten liegen.

David stellte uns damals einer Reihe von Kleinbauern vor, die in den vergangenen Jahren gelernt hatten, wie sie mit einfachen Methoden – etwa dem regelmäßigen Zurückschneiden von Kaffeesträuchern – ihren Ertrag erhöhen konnten. Ebenso trafen wir auf Bauern, die nicht an entsprechenden Trainings teilgenommen hatten. Die unterschiedliche Ertragskraft der Kaffeepflanzen beider Gruppen war mit bloßem Auge zu erkennen, und zwar von weitem.

Einer der Bauern, die wir dort getroffen haben, war Lorenzo. Gemeinsam mit seiner Frau hatte er ein Trainingsprogramm von TechnoServe durchlaufen. Beide zeigten uns auf ihrem etwa ein Drittel Hektar großen Grundstück die Resultate. Laut ihren Angaben hatte sich ihr Ertrag innerhalb weniger Jahre verdreifacht. Genauso wie ihr Umsatz. Statt 100 USD im Jahr nahmen sie nun 300 USD mit Kaffee ein. Nicht nur ihre Erzählungen sind uns in Erinnerung geblieben, sondern auch ihre herzliche Gastfreundschaft – und natürlich der frisch gebrühte Kaffee, den wir mit ihnen tranken.

Heute, gut zwei Jahre später, hat David den Bauern Lorenzo und seine Frau noch einmal besucht und uns berichtet, wie seine Geschichte weitergegangen ist: Mit den zusätzlichen Erlösen haben die beiden noch etwas Land dazu gekauft, so dass sie nun einen knappen Hektar mit Kaffeesträuchern bewirtschaften. Gegenüber 2013 haben Lorenzo und seine Frau inzwischen sowohl ihren Kaffeeertrag also auch die mit Kaffee erzielten Umsätze um den Faktor 17 (!) gesteigert. Aus einem Jahreserlös mit Kaffee von lediglich 100 USD in 2013 sind damit inzwischen 1.700 USD pro Jahr geworden. Die Produktivität pro Hektar hat sich dabei mehr als verfünffacht. Alleiniger Ausgangspunkt dieser Entwicklung war ein Training durch TechnoServe, das die Organisation und ihre Geldgeber wenige hundert Dollar gekostet hat.

Um zu belegen, dass solche Entwicklungen nicht nur in der Spitze, sondern auch in der Breite möglich sind, fördern wir ab diesem Jahr Schulungen für 100.000 Kleinbauern in Uganda und lassen die Wirksamkeit durch einen von einer unabhängigen Forschergruppe durchgeführten RCT (randomized controlled trial) evaluieren. Wenn die Ergebnisse der Schulungen unsere Hoffnungen erfüllen, machen wir sofort weiter. Zunächst in Uganda. Und dann in anderen Kaffeeländern. Gut möglich, dass es dann irgendwann Lorenzo sein wird, der den Männern und Frauen umliegender Farmen als Trainer zeigt, wie sie mit Kaffee ihre Lebensbedingungen nachhaltig verbessern können.