/ Par / von Sebastian Schienle

Was hilft Kaffeebauern? Geld?

Letzten Herbst haben wir berichtet, warum wir unsere internationalen Aktivitäten auf Kaffeebauern konzentrieren. Wir haben darüber geschrieben, wie wichtig die Vermittlung einfacher landwirtschaftlicher Methoden unserer Meinung nach für Kleinbauern ist, damit sie ihre Einkünfte aus der Landwirtschaft erhöhen und ihre Lebensbedingungen verbessern können. Dennoch sind wir überzeugt, dass andere Projektansätze ebenfalls ihre Berechtigung haben – besonders solche, die gut erforscht sind und für deren Wirksamkeit es eindeutige Nachweise gibt.

Wie wir bereits beschrieben haben, gehören Geldtransfers zu den am gründlichsten und am sorgfältigsten bewerteten Mitteln der Entwicklungshilfe. Also haben wir uns zusammen mit unserem Projektpartner GiveDirectly gefragt: Was passiert, wenn wir den Kaffeebauern einfach Geld geben?

Zwischen Juni und Dezember 2016 hat GiveDirectly 3.400 Haushalte im Osten Ugandas in ein von uns finanziertes Programm aufgenommen, mit dem wir diese Frage beantworten wollen. Die Empfänger leben alle im Bezirk Iganga, der durch Kaffeeproduktion einerseits und hohe Armutsraten andererseits gekennzeichnet ist. Etwa die Hälfte der Empfänger sind Kaffeebauern. Ausgewählt wurden die Programmteilnehmer jedoch alle aufgrund von Armutsindikatoren. Durch dieses Auswahlkriterium stellen wir sicher, dass wir die ärmsten Mitglieder der Dörfer erreichen und nicht nur die, die zufällig Kaffee anbauen. Jeder Haushalt erhält ungefähr USD 1.000.

Mit diesem Programm wollen wir zunächst den Einfluss von direkten Geldtransfers auf die Kaffeeproduktion selbst erforschen: Investieren die Bauern mehr in ihren Kaffee, bauen sie mehr davon an und erwirtschaften sie höhere Einnahmen, wenn sie ihn verkaufen? Wir untersuchen aber zusätzlich auch die Auswirkungen der Transfers auf die Lebensbedingungen unserer Empfänger insgesamt. Möglicherweise sind unseren Empfängern ja gerade Ausgaben in anderen Bereichen als Kaffee sehr wichtig – vom Bezahlen von Schulgebühren oder Haushaltsgegenständen bis hin zu Investitionen in Kleinstunternehmen oder in andere Nutzpflanzen.

Um unsere Fragen zu beantworten, werden wir mithilfe einer randomisierten Kontrollstudie (RCT) die Auswirkungen der Geldtransfers auf die Kaffeebauern und die anderen Programmteilnehmer untersuchen. Kurz gesagt ist es unser Ziel, eine Messlatte für die zukünftige Arbeit mit Kaffeebauern zu entwickeln – sowohl für unsere als auch die von anderen. Die Details dieser Studie hat GiveDirectly gerade im Voranalyseplan [PAP] zum RCT veröffentlicht. RCTs benötigen jedoch Zeit. Wir erwarten die Ergebnisse in etwa einem Jahr, also bis Mitte 2018.

Was können wir in der Zwischenzeit über das Programm sagen? Wir haben Iganga im November 2016 besucht. Bis Mitte März wurden bereits USD 2,5 Millionen an die Haushalte unserer Empfänger ausgezahlt. Auch wenn es noch zu früh für klare Erkenntnisse ist, speziell bezogen auf Kaffee, können wir uns in jedem Fall in Bezug auf zwei Dinge sicher sein:

  1. Wie bei anderen Programmen von GiveDirectly setzt der überwältigende Anteil der Empfänger ihr Geld sehr sinnvoll ein. Kurz nach den Transfers sieht man Boda-Bodas (Motorradtaxis) beladen mit Wellblechen (als Material für Dächer) und Matratzen (für viele Empfänger die erste Matratze ihres Lebens) durch die Dörfer fahren. Aufgehäufte Backsteine auf vielen Grundstücken sind klare Zeichen, dass emsig gebaut wird. Außerdem haben uns die Empfänger erzählt, dass sie mit den Geldern Schulgebühren bezahlen, Land kaufen oder pachten, Kühe kaufen oder Motorräder erwerben, um Taxidienste in ihrem Dorf anzubieten.
    Was den Kaffee angeht, reichen bei vielen Kleinbauern die Ersparnisse nicht bis zur Ernte. Dadurch sind sie gezwungen, ihren Kaffee schon vor der Ernte zu extrem niedrigen Preisen zu verkaufen, um an Geld für das absolut Nötigste zu gelangen. Was die Transfers daher auf jeden Fall bewirken, ist, dass sie den Kaffeebauern ermöglichen, ihre reifen Kaffeebohnen erst zur Erntezeit zu höheren Preisen zu verkaufen und dadurch ein höheres Einkommen zu erzielen. (Besuchen Sie GDLive für ungefilterte Eindrücke von GiveDirectly Empfängern in Echtzeit, einschließlich einiger aus unserem Programm.)

  2. Die Transparenz, Sorgfalt und Flexibilität, die wir bisher in unserer Zusammenarbeit mit GiveDirectly erlebt haben, ist beeindruckend. Sie setzen damit einen Maßstab für uns alle, die sich im Non-Profit-Bereich engagieren. GiveDirectly überprüft jeden Monat sorgfältig einige entscheidende operative Kennzahlen und passt die Umsetzung des Programms entsprechend an. All diese Aktivitäten werden sehr offen und transparent mit uns, den Geldgebern, geteilt. Zum Beispiel hat GiveDirectly verschiedene Vorgehensweisen getestet um sicherzustellen, dass die Empfänger einfach und sicher an das überwiesene Geld herankommen, und wägt sorgfältig die Kosten der Umsetzung gegen den Bedarf der Empfänger ab. Als Ergebnis dieser Arbeit liegen beispielsweise die Betrugs- und Bestechungsfälle in diesem Programm bisher unter dem gesetzten Ziel von 0,5 % der Transfers.


Wir haben das Programm mit GiveDirectly begonnen, weil wir ein Hilfsprojekt unterstützen wollten, dessen Effizienz und Effektivität durch verlässliche Nachweise belegt sind. Wir wollten auch ein Zeichen setzen für einen systemischen Wandel hin zu einer Welt, in der Spendenentscheidungen immer auf Basis eines fundierten Nachweises getroffen werden, wo das Geld am meisten helfen kann. Wir sind überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, beide Ziele zu erreichen, und freuen uns darauf, Mitte 2018 die endgültigen Ergebnisse unseres Programms hier präsentieren zu können.