/ Par / von Sebastian Schienle

Schulungsprogramm für 100.000 Kaffee-Kleinbauern

Die Benckiser Stiftung Zukunft startet ein auf vier Jahre angelegtes technisches Hilfsprojekt im ugandischen Kaffeesektor. Ziel des Projektes ist es, die Erträge im Kaffeeanbau bei 100.000 Kleinbauern um mindestens 50% zu steigern.

Bei der Umsetzung dieses Projektes werden wir von der Hanns R. Neumann-Stiftung sowie von TechnoServe unterstützt. Beide Organisationen werden zu Beginn des Programms mit jeweils 30.000 Kaffeebauern ein intensives und praktisch ausgerichtetes landwirtschaftliches Schulungsprogramm durchführen. Enveritas unterstützt das Programm zusätzlich. Michael Kremer, Gates Professor of Developing Societies an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Harvard, und Vivian Hoffmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim International Food Policy Research Institute (IFPRI), werden die Resultate des Schulungsprogramms anhand einer randomisierten kontrollierten Studie bewerten.


Ugandische Kleinbauern könnten ihre Erträge deutlich steigern
Uganda ist einer der weltweit wichtigsten Produzenten von Robusta-Kaffee und zählt außerdem zu den zehn größten Kaffeelieferanten der Welt. Mit seinen ungefähr 1,7 Millionen Kaffeekleinbauern gehört Uganda zu den Ländern mit den meisten Kaffeebauern weltweit. Das Land und seine Kaffeebauern stehen jedoch auch vor signifikanten Herausforderungen. Viele der Kleinbauern leben immer noch in Armut.

Uganda hat ehrgeizige Pläne entwickelt, die Kaffeeproduktion des Landes weiter zu steigern. Es gibt Potenzial, die Kaffeebauern in landwirtschaftlichen und umwelttechnischen Praktiken besser auszubilden – dazu gehören beispielsweise die Pflege der Bodenfruchtbarkeit, die Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten sowie das Zuschneiden und Verjüngen von Pflanzen.

Gezielte, einfache Maßnahmen zur Erhöhung der Produktivität beim Kaffeeanbau können diese Vision Ugandas unterstützen und die Erträge der einzelnen Kaffeebauern steigern, damit sie höhere Einnahmen erzielen und ihren Lebensunterhalt besser absichern können. Gleichzeitig können sie als Grundlage für weitere Hilfsprojekte dienen. Des Weiteren könnten die Maßnahmen in anderen Kaffeeländern mit ähnlichen Herausforderungen wiederholt werden. 


Das Programm konzentriert sich auf gute landwirtschaftliche Praktiken
Das Hauptziel des Projektes ist es, die Ernteerträge beim Kaffeeanbau durch eine klare Konzentration auf gute landwirtschaftliche Praktiken („Good Agricultural Practices“, GAP) um durchschnittlich mindestens 50% Prozent gegenüber einer Vergleichsgruppe zu erhöhen. Die Non-Profit-Organisationen Hanns R. Neumann Stiftung und TechnoServe werden mit jeweils 30.000 Kaffeebauern ein intensives und praktisch ausgerichtetes landwirtschaftliches Schulungsprogramm durchführen. Jeder Teilnehmer wird über einen Zeitraum zwischen 18 und 24 Monaten geschult werden. Das Schulungsprogramm verfolgt einen sachbezogenen, praktischen und partizipativen Ansatz. Das Training soll eine Grundlage zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Praktiken der Bauern bilden. Zu diesen Praktiken gehören beispielsweise das Verjüngen von Bäumen, eine auf die Bodenbeschaffenheit abgestimmte Düngung sowie integrierte Schädlingsbekämpfung. Zudem erhalten die Kaffeebauern Schulungen in allgemeinen betriebswirtschaftlichen Themen sowie in der Führung eines landwirtschaftlichen Klein(st)betriebes.

Wir glauben, dass wir mit diesem Ansatz mit einer relativ geringen zeitlichen sowie finanziellen Investition für die Kaffeebauern die Produktivität von landwirtschaftlichen Kleinbetrieben enorm steigern und nachhaltige Erfolge erzielen können. Denn dieses Projekt ist eine kostengünstige Methode, um das Einkommen und den Lebensstandard der Kleinbauern zu erhöhen und innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne eine große Anzahl von Bauern zu erreichen.


Die Ergebnisse des Programms werden wissenschaftlich evaluiert
Wir sind der festen Überzeugung, dass gut durchgeführte Schulungsprogramme einen großen Nutzen für die Kaffeebauern entfalten. Die Wirksamkeitsevaluationen einiger Organisationen kommen zu vielversprechenden Ergebnissen. Jedoch sind solche Evaluationen häufig nicht ausreichend wissenschaftlich fundiert, um verlässliche Aussagen über die Wirkung der Hilfsprojekte zuzulassen. Abgesehen von einer Vielzahl an anekdotischen Beweisen existieren nur wenige fundierte Untersuchungen zu den Vorteilen (und Einschränkungen) solcher Trainingsprogramme.

Die Schulungen für Kleinbauern, deren Wirksamkeit evaluiert wurde, waren zudem oft in umfassendere Hilfsprogramme eingebettet, zu denen noch weitere Bestandteile gehörten, wie zum Beispiel Zugang zu Krediten, die Unterstützung beim Aufbau von verschiedenen Erzeugergemeinschaften sowie kostenlose oder subventionierte Materialien. Entsprechend kann der Effekt des Trainings nicht von den anderen Teilen der Programme herausgelöst werden.

Aus diesem Grund führen wir die erste umfassende randomisierte kontrollierte Studie (RCT) durch, um die Wirkung von gezielten landwirtschaftlichen Schulungsprogrammen im Kaffeesektor einschätzen zu können. Durch diese Studie kann der Erfolg unseres Programms zuverlässig und unabhängig bewertet werden. Außerdem wird sie einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Debatte im Kaffeesektor leisten, die sich mit der Frage beschäftigt, durch welche Maßnahmen die Situation der Kleinbauern am effektivsten und effizientesten verbessert werden kann.

Der RCT wird von einem sehr erfahrenen Team namhafter Wissenschaftler unter der Leitung von Michael Kremer von der Harvard University und Vivian Hoffmann von IFPRI durchgeführt werden. Unter anderem sollen die folgenden drei Kernfragen beantwortet werden:

  1. Inwiefern trägt das Schulungsprogramm zur Übernahme von guten landwirtschaftlichen Praktiken (GAP) bei?
  2. Welche Steigerungen in Bezug auf die Produktivität/ die Ernteerträge erzielt das Schulungsprogramm?
  3. Inwiefern tragen diese Steigerungen zu einer erhöhten Lebensqualität der Kleinbauern bei?


Das Programm ist auf einen Zeitraum von 4 Jahren angelegt
Unser Programm startet im Oktober 2017. Die Schulungen für die Kaffeebauern werden in Gruppen organisiert und dauern bis Ende 2021 an. Die Abschlussuntersuchung des RCT findet im Jahr nach Beendigung des Schulungsprogramms statt.

image_projektbeschreibung_2017-10-17